Flusssäure / Fluorwasserstoff / HF

update 10.4.08

Eigenschaften: Das farblose Gas oder die farblose Flüssigkeit ist nicht brennbar und hat einen stechenden Geruch. Bei einem Brand können sich zünd- und / oder explosionsfähige Gemische bilden. In einer wässrigen Lösung ist der Stoff eine starke Säure und reagiert heftig mit Basen. Mit vielen Verbindungen erfolgen heftige Reaktionen. Dabei besteht immer Brand- und Explosionsgefahr. Bei einem Kontakt mit der Luft werden korrosive Dämpfe freigesetzt, die schwerer als die Luft sind und sich deshalb am Boden ausbreiten können. Silikon und Glas werden angegriffen.

Symptomatik: Der Stoff kann oral, über eine Inhalation oder über die Haut (Kontaktgift!!) aufgenommen werden und ätzt die Haut, die Augen und die Atemwege. Wenn das Gas freigesetzt wird, kommt es schnell zu einer gefährlichen Konzentration in der Luft. An den Augen bewirkt der Stoff eine Rötung, Schmerzen, Verätzungen und Verbrennungen. Nach einer Einwirkung auf die Haut ist ebenfalls eine Rötung, Schmerzen, Verätzungen und eine Blasenbildung zu erkennen. Der Stoff wirkt stark ätzend und durchdringt die Haut und alle Gewebeschichten, sogar die Knochen. Eine orale Aufnahme ist durch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, einer Verätzung, abdominellen Krämpfen, ein brennendes Gefühl und durch Kreislaufstörungen zu erkennen. Nach einer inhalativen Aufnahme zeigt der Patient neben den Symptomen bei einer oralen Aufnahme einen Husten, Halsschmerzen und eine Atemnot. Die Symptome können verzögert auftreten. Als schlimmste inhalatorische Folge kann ein toxisches Lungenödem auftreten. Dieses ist mit Kortison, auf jeden Fall auch präklinisch, zu therapieren. Bereits nach kurzen Einwirkungen kann sich der Calciumspiegel im Blut ändern. Es kann zu Schädigungen der Nieren und des Herzens kommen. (Krämpfe, Blutdruckabfall, Herzstillstand). Bei wiederholten oder länger andauernden Kontakt kann eine chronische Fluorvergiftung entstehen. Eine Exposition oberhalb des Arbeitsplatzgrenzwertes kann letal enden.

Maßnahmen: Der Patient ist mit umluftunabhängigen Atemschutz aus der kontaminierten Umgebung zu retten. Jeder Patient bekommt mindestens vier Liter Sauerstoff pro Minute. Kontaminierte Kleidung ist zu entfernen und die betroffene Haut ist ausgiebig mit Wasser zu spülen. Chemikalienschutzhandschuhe verwenden!
Auch kleinflächige Verätzungen können zu schwere Verletzungen und Todesfällen führen, deshalb ist jeder Patient der stationären Überwachung zuzuführen, möglichst Verbrennungszentrum (z.B. Klinikum Nord K 5).
Erstmaßnahmen:

Bei Verätzungen 1. Grades:
Einreiben mit Calziumgluconat Gel, wiederholt abspülen und erneutes Einreiben. Calzium verbindet sich mit HF zu Calziumfluorid.

Bei kleinflächigen Verätzungen > 1. Grades:
evtl. zusätzlich Unterspritzung mit Calziumgluconat 10 %ig bis zur Schmerzfreiheit

Bei großflächigen Verätzungen > 1. Grades:
Unterspritzung mit Calziumgluconat 10 %ig
Infusion mit 20 ml Calziumglukonat 10 %ig und
Infusion mit 10 ml Magnesiumsulfat 10 %ig.

Augenverätzung:
ausgiebig Spülung mit Wasser

Inhalation:
Sauerstoff
Cortison hochdosiert i.v.
ggf. auch inhalativ (Therapieversuch, nur beim Massenanfall)
Infusion mit 20 ml Calziumglukonat 10 %ig und
Infusion mit 10 ml Magnesiumsulfat 10 %ig
cave toxischen Lungenödem, ggf. Beatmung, PEEP

Verschlucken:
auf keine Fall erbrechen auslösen, Aspiration muss verhindert werden!!
ggf. Einlage einer Magensonde unter endoskopischer Kontrolle und vorsichtige Spülung und Gabe von Calziumglukonatlösung.
Analgetika
Infusion mit 20 ml Calziumglukonat 10 %ig und
Infusion mit 10 ml Magnesiumsulfat 10 %ig.

Vorsichtsmaßnahmen: Offene Flammen und Funkenbildung ist zu vermeiden. Es darf nicht geraucht werden. Die Haut und die Augen sind mit geeigneten Schutzmaterialien zu schützen. Beim Personenschutz muss ein gasdichter Vollschutzanzug getragen werden. Der Kontakt mit Wasser ist unbedingt zu vermeiden

Bei Einsätzen mit Flusssäure ist der U Dienst zur Bereitstellung der Medikamente mit zu alarmieren!

Inhalt des HF Sets: (auf dem NEF wird bald keine HF Set vorgehalten, nur noch auf dem U Dienst [Stand 5.6.2008])

1 Amp. Calziumglukonat 10 % 10 ml
2 Amp. Magnesium Verla 10 ml
12 Tuben H - F - Antidotgel 25 g (Calziumgluconat)
3 Einmalspritzen 10 ml
5 Einmalkanülen gelb 0,9 x 40 mm
20 Einmalkanülen grau 0,7 x 30 mm
1 Ampullensägen
5 sterile Kompressen 10 x 10
1 Kleiderscheren
1 Anleitungen "Behandlung bei Flusssäureverätzung"
2 Paar Chemikalienschutzhandschuhe

Auf dem U - Dienst Koffer (Sondereinheit Chemie) wird jeweils die 10 fache Menge vorgehalten